3. Die Charakterstärken
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Nicht die Schwäche ausbügeln, die Stärke einsetzen: Ihr Weg zu den Signaturstärken
Wenn Sie an sich selbst denken, woran denken Sie zuerst? An das, was noch nicht klappt, oder an das, was schon mühelos gelingt? Die meisten von uns landen sofort bei der ersten Antwort. Wir kennen unsere Schwächen oft besser als unsere Stärken, weil wir ein Leben lang trainiert wurden, genau dort hinzuschauen.
Die 1. Positive Psychologie - Einführung dreht diesen Blick um. Sie fragt nicht, was an Ihnen fehlerhaft ist, sondern was in Ihnen bereits vorhanden ist und nur darauf wartet, bewusster eingesetzt zu werden. Das Werkzeug dafür heißt Charakterstärken, und die für Sie persönlich wichtigsten davon nennt man Signaturstärken. (s.a. NLP-Axiom "Menschen besitzen bereits alle Ressourcen... )
Warum Stärken mehr sind als Eigenschaften
"Sei doch erst einmal einfach du selbst" klingt nach einem Kalenderspruch. Die Forschung dahinter ist es nicht. Charakterstärken zu kennen und einzusetzen hängt nachweislich mit mehr Zufriedenheit, besseren Beziehungen und weniger Burnout zusammen. Der Grund dafür ist einleuchtend: Wer ständig gegen seine eigene Natur arbeitet, verbraucht Energie. Wer seine Stärken einsetzt, gewinnt welche dazu.
Das gilt auch für den Berufsalltag. Eine Aufgabe, die auf dem Papier unspektakulär aussieht, kann sich völlig anders anfühlen, je nachdem, welche Stärke Sie dabei einbringen. Der entscheidende Unterschied liegt selten in der Aufgabe selbst, sondern darin, ob Sie sie mit einer Ihrer echten Stärken angehen oder ohne.
Was Charakterstärken und Signaturstärken konkret sind
Die Psychologen Christopher Peterson und Martin Seligman stellten sich 2004 eine ungewöhnliche Frage: Gibt es menschliche Stärken, die in jeder Kultur als wertvoll gelten, unabhängig von Zeit und Ort?
Ein Team von über 50 Wissenschaftlern durchforstete dafür Religionen, Philosophien und psychologische Literatur aus aller Welt. Am Ende blieben 24 Charakterstärken übrig, gruppiert in sechs Tugenden: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz.
Eine Charakterstärke ist dabei nicht dasselbe wie ein Talent. Musikalität kann angeboren sein, Neugier oder Ausdauer sind dagegen Haltungen, die Sie aktiv einsetzen und trainieren. Genau das macht Charakterstärken so interessant: Sie lassen sich stärken wie ein Muskel.
Innerhalb dieser 24 Stärken hat jeder Mensch drei bis sieben, die besonders zu ihm passen. Man nennt sie Signaturstärken.
Drei Kriterien kennzeichnen sie nach Peterson und Seligman:
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ein Gefühl von Echtheit beim Einsatz
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Freude während der Ausübung und ein
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Handeln aus eigenem Antrieb, nicht aus Pflichtgefühl.
Eine einfache Testfrage hilft bei der Unterscheidung: Stellen Sie sich vor, Sie dürften diese Stärke ein halbes Jahr lang nicht verwenden. Fühlt sich das wie ein echter Verlust an, haben Sie eine Signaturstärke gefunden.
Wie genau sich die einzelnen Stärken beschreiben lassen, welche 24 es im Detail sind und wie sich ein VIA-Test aufbaut, das würde diesen Artikel sprengen. Das ist ein eigenes Thema für sich, dem ich einen eigenen Beitrag widme.
Wie Sie Ihre Signaturstärken finden und verwenden
Ein guter Ausgangspunkt ist der kostenlose Charakterstärken-Test:
https://www.visionintoaction.de/charakterstaerken-online-test/
Aber auch ohne Test kommen Sie einen Schritt weiter, wenn Sie sich drei Fragen stellen:
- Wobei haben Sie zuletzt die Zeit vergessen?
- Wofür haben Ihnen Menschen in der Vergangenheit gedankt, ohne dass Sie sich besonders angestrengt hätten? -
- Und welche Ihrer Eigenschaften würden enge Freunde nennen, wenn man sie nach Ihnen fragt?
Sobald Sie zwei oder drei Signaturstärken benannt haben, geht es um den Einsatz. Wählen Sie eine bestehende, vielleicht sogar lästige Aufgabe aus Ihrem Alltag und überlegen Sie, wie Sie eine Ihrer Stärken dort einbringen könnten. Nicht die Aufgabe ändert sich, sondern die Haltung, mit der Sie sie angehen.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir einen fiktiven Teilnehmer, nennen wir ihn Herrn Voss. Er arbeitet in der Buchhaltung, eine Tätigkeit, die er selbst als "notwendig, aber trocken" beschreibt. Als er seine Signaturstärken reflektiert, stellt er fest: Genauigkeit, Fairness und ein ausgeprägter Sinn für Ordnung gehören eindeutig dazu. Bislang hat er diese Stärken nur nebenbei bemerkt, nie bewusst eingesetzt.
Herr Voss beginnt, seine tägliche Prüfung von Rechnungen anders zu betrachten. Statt sie als lästige Pflicht abzuhaken, sieht er sie als Gelegenheit, seine Stärke Fairness auszuleben: Er sorgt aktiv dafür, dass niemand im Unternehmen durch einen Fehler benachteiligt wird. Aus einer Routineaufgabe wird eine kleine, aber sinnvolle Verantwortung. Nach einigen Wochen berichtet er, dass sich seine Arbeit inhaltlich nicht verändert hat, sein Erleben dabei aber sehr wohl.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Charakterstärken sind ein zentrales Werkzeug der Positiven Psychologie, das sich aktiv trainieren lässt. Von den 24 universellen Stärken hat jeder Mensch drei bis sieben Signaturstärken, die sich echt, freudvoll und aus eigenem Antrieb anfühlen. Der wirksamste Hebel liegt selten darin, eine neue Aufgabe zu suchen, sondern darin, eine bestehende Aufgabe mit einer echten Stärke zu verbinden.
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