2. Das PERMA-Modell

Level:
🟢 Basics


Das PERMA-Modell

Auf den Punkt...

Das PERMA-Modell ist ein wesentlicher Baustein aus dem Modell der 1. Positive Psychologie - Einführung von Martin Seligman et al.

(Infografik)PERMA-Modell.jpg

Fünf Fenster zum Wohlbefinden: Das PERMA-Modell

Ein Freitagabend, an dem etwas fehlt

Die Woche war gut. Alle Termine eingehalten, ein Projekt abgeschlossen, das Team zufrieden. Und trotzdem sitzen Sie am Freitagabend auf dem Sofa und spüren: Da fehlt etwas. Kein Drama, keine Krise. Nur dieses leise Gefühl, dass "erfolgreich" und "wohl" zwei verschiedene Dinge sind.

Genau an diesem Punkt setzt das PERMA-Modell an. Es zeigt, warum Erfolg allein nicht reicht, um sich wirklich gut zu fühlen, und was neben der Zielerreichung noch auf Ihrer Rechnung stehen muss.

Warum ein Modell für etwas so Persönliches wie Wohlbefinden?

Wohlbefinden klingt nach einem Gefühl, das man hat oder nicht hat. Zufall, Veranlagung, gutes Wetter. Der Psychologe Martin Seligman hat dieser Vorstellung widersprochen. In seiner Forschung zur Positiven Psychologie zeigte er, dass sich Wohlbefinden in einzelne, benennbare Bausteine zerlegen lässt. Jeder dieser Bausteine lässt sich zudem gezielt stärken, unabhängig von den anderen.

Dabei ist PERMA selbst kein Modell, das als Ganzes in einer einzigen Studie bewiesen wurde. Es ist eher eine Landkarte, die Seligman aus Jahrzehnten an Forschung zu den fünf einzelnen Bereichen zusammengesetzt hat. Jeder Bereich für sich ist gut untersucht, das Gesamtbild ist eine Synthese.

Das ist der entscheidende Unterschied zu "einfach mal positiv denken". Wer nur an einer Stellschraube dreht, etwa ausschließlich an der Zielerreichung, bleibt oft trotzdem unzufrieden. Wer weiß, welche fünf Bereiche zusammenwirken, kann gezielt dort ansetzen, wo bei ihm persönlich eine Lücke klafft. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das Modell, bevor Sie irgendetwas an Ihrem Alltag ändern.

Was das PERMA-Modell konkret beschreibt

PERMA ist ein Akronym für fünf Bereiche, die nach Seligmans Forschung gemeinsam über unser Wohlbefinden entscheiden:

Das Modell ist kein Ranking. Keiner der fünf Bereiche zählt mehr als die anderen, und keiner ersetzt einen anderen. Ein volles Konto bei der Zielerreichung gleicht ein leeres Konto bei den Beziehungen nicht aus. Genau das erklärt Ihren Freitagabend: Sie hatten Accomplishment im Überfluss, aber vielleicht zu wenig von den anderen vier Bereichen.

Wie Sie das Modell für sich nutzen

Der praktische Wert von PERMA liegt in einer einfachen Bestandsaufnahme.

Nehmen Sie sich fünf Minuten und geben Sie jedem der fünf Bereiche in Gedanken eine Note zwischen 1 und 10, bezogen auf Ihre letzten vier Wochen. Wo stehen Sie bei den positiven Emotionen? Wie oft erleben Sie Engagement, also echten Flow? Wie steht es um Ihre Beziehungen? Spüren Sie Sinn in dem, was Sie tun? Und wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Zielerreichung?

Meist zeigt sich schnell ein Muster: ein oder zwei Bereiche mit hohen Werten, ein oder zwei mit auffällig niedrigen. Genau dort setzen Sie an, nicht überall gleichzeitig. Wer bei den Beziehungen eine niedrige Note vergeben hat, plant bewusst ein Gespräch mit einem Menschen, der ihm wichtig ist. Wer beim Sinn schwach abschneidet, fragt sich, welchem größeren Zweck die eigene Arbeit eigentlich dient. Klein anfangen, konkret werden, das genügt.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Nehmen wir eine fiktive Seminarteilnehmerin, nennen wir sie Frau Berger. Sie leitet ein kleines Team, arbeitet viel, liefert gute Ergebnisse. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie zunächst: "Gut, ich habe ja alles im Griff."

Als sie die PERMA-Bestandsaufnahme macht, zeigt sich ein anderes Bild. Zielerreichung: 9 von 10. Engagement: ebenfalls hoch, ihre Arbeit fordert sie und sie geht darin auf. Aber bei den Beziehungen vergibt sie eine 3. Seit Monaten hat sie kein privates Gespräch mehr geführt, das länger als zehn Minuten dauerte. Auch beim Sinn zögert sie: Warum sie das alles tut, kann sie nicht klar benennen.

Frau Berger ändert daraufhin nichts an ihrem Arbeitspensum. Sie blockiert stattdessen jeden Mittwochabend fest für ein Gespräch mit einer Freundin, ohne Ausnahme. Und sie beginnt, sich vor jedem Projekt eine einzige Frage zu stellen: Wem nützt das, was ich hier tue? Nach sechs Wochen berichtet sie, dass sich an ihrem Terminkalender nichts geändert hat, an ihrem Freitagabend-Gefühl aber sehr wohl.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Wohlbefinden ist kein einzelner Wert, sondern setzt sich aus fünf Bereichen zusammen: positiven Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Zielerreichung. Ein hoher Wert in einem Bereich gleicht einen niedrigen Wert in einem anderen nicht aus. Eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen fünf Bereiche zeigt meist schnell, wo die eigentliche Lücke liegt, oft nicht dort, wo man sie vermutet hätte. Und der wirksamste erste Schritt ist selten, mehr zu leisten, sondern gezielt den einen Bereich zu stärken, der am schwächsten dasteht.

Jede dieser fünf Säulen ist unerlässlich: Ohne Sinn wirkt Erfolg hohl, ohne Beziehungen fehlt die Resonanz.
Doch wie aktivieren wir diese Säulen?

Hier kommt ein weiterer Baustein der 1. Positive Psychologie - Einführung ins Spiel: Die 3. Die Charakterstärken.
So aktiviert beispielsweise die Stärke Neugier unmittelbar die Säule des Engagements, da sie uns tiefer in Themen eintauchen lässt, während die Stärke Freundlichkeit den direkten Treibstoff für die Säule der Beziehungen liefert.


⬅️ Zurück: 1. Positive Psychologie - Einführung
➡️ Weiter: 3. Die Charakterstärken
⬇️ Tiefer:

🔀 siehe auch:

Powered by Forestry.md