5. Bedürfnisse als Führungskraft (DeepDive)

Bedürfnisse in der Führung

Führungskräfte leben in einem permanenten Dilemma. Als Führungskraft spielen nicht nur Ihre eigenen Bedürfnisse eine Rolle - hinzu kommen auch noch die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter.
Beispiel:
Sie hatten einen herausfordernden Vormittag und brauchen ein paar Minuten zum Abschalten. Deshalb entscheiden Sie sich, in der Mittagspause einen kurzen Spaziergang zu gönnen, um Ihrem Bedürfnis nach Distanz zu befriedigen. Als Sie gerade das Gebäude verlassen, gesellt sich ein Kollege mit einer wichtigen Frage zu Ihnen und bittet Sie, mit Ihnen gehen zu dürfen. Wie reagieren Sie?

Führung ist im Kern eine Rolle, die z.B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit chronisch frustriert. Die professionelle Distanz, die für unliebsame Entscheidungen nötig ist, erzeugt eine unvermeidbare Einsamkeit.
Sie haben als Führungskraft immer mit vier Dilemmata zu kämpfen und dabei werden Sie es nie allen (Sie eingeschlossen) recht machen können.

(Infografik) Bedürfnisdillemata Führung-kompr.jpg

Nutzen Sie das Bild des Spielfelds: Definieren Sie klare Leitplanken (Budgets, Regeln, Visionen). Je deutlicher der Rahmen, desto mehr Vertrauen kann innerhalb des Feldes fließen. Führung bedeutet nicht, alle glücklich zu machen, sondern den Rahmen für die Selbstorganisation des Teams zu halten.

Reflexion für Führungskräfte:

  1. Wie halte ich die Einsamkeit meiner Rolle aus, ohne mich durch „Kuschelkurs“ in ungesunde Nähe zu flüchten?
  2. Wo versuche ich Allmacht zu demonstrieren, nur um meine eigentliche Ohnmacht gegenüber den Marktdynamiken zu kaschieren?
  3. Bin ich bereit, die Enttäuschung meiner Mitarbeiter auszuhalten, um der funktionalen Notwendigkeit der Organisation gerecht zu werden?

Fallbeispiel: Der Konflikt im Team

In einem Meeting prallen zwei Welten aufeinander: Ein Mitarbeiter will eine radikale Neuerung präsentieren (Einzigartigkeit), ein anderer warnt vor dem Risiko für den Projekterfolg (Sicherheit). Meist endet dies in einem faulen Kompromiss oder in gegenseitiger Blockade.

Die systemische Lösung liegt in der Entdeckung der „dritten Seite der Münze“. Die Münze hat nicht nur Kopf oder Zahl, sondern auch einen Rand, auf dem sie rollen kann. Eine integrierte Lösung entsteht, wenn beide Pole als gleichwertig anerkannt werden.

Das Team bewegt sich weg von der starren Position hin zur Dynamik: Die Innovation wird als Experiment (Freiheit) gewagt, aber in einen festen zeitlichen Rahmen (Sicherheit) eingebettet. Die Spannung wird nicht aufgelöst, sondern in Bewegung gesetzt. Das Team „rollt“ auf der Kante der Münze, statt auf einer Seite liegen zu bleiben.

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