1.1.3 Werte - praktische Arbeit mit Werten

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Level:
🟡 Fortgeschritten


Wenn Sie beginnen, über Ihre persönlichen Werte nachzudenken, können folgende grundsätzlichen erste Schritte hilfreich sein:

  1. Exporation: Was sind meine höchsten persönlichen Werte?
  2. Kriterien: Was sind messbare Kriterien, an denen ich festmachen kann, was dieser Wert für mich genau bedeutet?
  3. Hierarchie: In welcher Reihenfolge der Wichtigkeit stehen bei mir meine Werte?

1. Die Exploration: Eigene Werte erkennen

Werte lassen sich nicht nur durch Nachdenken finden, sondern durch die Analyse Ihrer Lebensrealität. Auf die Frage: "Welche Werte habe ich?" folgen eher Antworten, die "sozial erwünscht" sind, als das was mir wirklich wichtig ist.

1.1 Die Werte-Trance (intuitiv)

Wichtig

Der Unterschied zwischen "Ziele" und "Werten":
Ziele erreicht man. Werte lebt man.
Sie können vielleicht nicht jeden Tag an einem Ziel arbeiten, aber Sie können jeden Tag Ihre Werte leben.


1.2 Ressourcen-Audit

Immer wenn limitierende Ressourcen eine Rolle spielen (zu wenig Zeit, Geld oder Energie) müssen wir uns entscheiden: Was tue ich und was lasse ich?
Führen Sie einen Ressourcen-Audit durch, indem Sie die Verteilung Ihrer knappsten Güter analysieren:

  1. Zeit-Audit: Analysieren Sie objektiv, wo die Stunden der letzten drei Wochen (oder der letzten fünf Arbeitstage) tatsächlich hingeflossen sind. Zeit ist die unmittelbarste Ressource; ihre Verwendung zeigt direkt, welchen Werten Sie in der Praxis Priorität eingeräumt haben.
    Frage: Wofür konkret habe Sie vorwiegend in den letzten ....Tagen/Wochen Ihre Zeit investiert?
  2. Geld-Audit: Untersuchen Sie Ihre privaten und beruflichen Konten. Welche Ausgabenposten dominieren dort wirklich?. Geldflüsse sind ein messbarer Indikator für das, was Ihnen im Leben so viel Wert ist, dass Sie dafür Ihre Arbeitskraft eingetauscht haben.
    Frage: Wofür konkret haben Sie das meiste Geld investiert?
  3. Energie-Audit: Beobachten Sie Ihren sogenannten „Default Mode“ im Gehirn. Welche Themen beschäftigen Ihre Gedanken und Ihre Aufmerksamkeit automatisch, wenn Sie gerade nicht produktiv arbeiten oder abgelenkt sind?
    Frage: Wo investieren Sie Ihre mentale und emotionale Energie am stärksten?

=> Das Ergebnis: Überlegen Sie, welche Werte hinter diesen Antworten stecken und ergänzen Sie damit ggf. Ihre Werteliste.

Wichtig

Das Ressourcen-Audit ist ein radikal ehrliches Werkzeug zur Werterkundung, da es die Aufmerksamkeit auf Ihre tatsächliche Tiefenstruktur lenkt und nicht auf das, was Sie sich nur rational als wichtig zurechtgelegt haben,. Während ein bewusstes Nachfragen oft nur zu sozial erwünschten Antworten oder einem idealisierten Selbstbild führt, ist Ihr energetischer Fokus ein direkter Indikator für Ihre handlungsleitenden Werte


1.3 Systematische Werte-Exploration

=> Ergebnis: Eine Liste Ihrer 10 wichtigsten Werte.


2. Die Kriterien: Werte spezifizieren

Werte sind das „Was“, Kriterien sind das „Wie ich es merke“.
Werte sind Nominalisierungen und zunächst einmal nur sehr grobe Bedeutungscontainer unter der jeder Mensch etwas Verschiedenes versteht. (s.a. Werte auf den Punkt gebracht)

Definieren Sie deshalb sensorisch genau: „Pünktlichkeit bedeutet für mich, dass mein Gegenüber maximal 5 Minuten nach der Zeit erscheint.“ Ohne diese Klärung bleibt Wertearbeit wirkungslos.

Um sensorisch definite Erfüllungskriterien für Ihre Werte festzulegen, müssen Sie die abstrakten Begriffe ([Nominalisierungen]) wie „Freiheit“ oder „Erfolg“ in konkrete, beobachtbare Handlungen übersetzen. Werte sind lediglich „[Bedeutungscontainer]“, die erst durch spezifische Kriterien eine operative Wirkung entfalten.

Hier ist das genaue Vorgehen, um diese Kriterien festzulegen:

1. Die zentrale Leitfrage stellen

Um die Brücke von der Abstraktion zur Realität zu schlagen, stellen Sie sich für jeden Ihrer Werte die Frage: „Was muss konkret gegeben sein, damit für mich der Wert X erfüllt ist?“. Es geht darum, das „Was“ (den Wert) in ein „Wie ich es merke“ (das Kriterium) zu verwandeln.

2. Fokus auf sensorische Evidenz (VAK-Ebene)

Gute Erfüllungskriterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf visuellen, auditiven oder kinästhetischen Signalen basieren. Fragen Sie sich:

3. Den „Film-Test“ anwenden

Ein effektives Kriterium sollte so konkret formuliert sein, dass man es theoretisch filmen könnte.

4. Definieren von Toleranzgrenzen und Regeln

Setzen Sie messbare Maßstäbe fest, um Willkür zu vermeiden. Ein klassisches Beispiel aus den Quellen ist der Wert Pünktlichkeit: Er ist dann erfüllt, wenn eine Person zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint, wobei eine maximale Toleranz von 5 Minuten gilt. Ein weiteres Beispiel ist Zuverlässigkeit: „Jede Zusage ist ein Versprechen. Ist es nicht haltbar, erfolgt die Kommunikation vor Ablauf der Frist“.

5. Kontextspezifische Konkretisierung

Da Werte „Interpretations-Inseln“ sind, müssen Kriterien immer kontextspezifisch erarbeitet werden. Ein Wert kann im Kontext „Arbeit“ völlig andere Erfüllungsbedingungen haben als im Kontext „Beziehung“. Klären Sie daher genau, für welchen Lebensbereich Sie die Kriterien gerade definieren.

6. Überprüfung der inneren Repräsentation ([Submodalitäten])

Um die Kriterien emotional zu verankern, können Sie untersuchen, wie die Erfüllung innerlich repräsentiert ist. Gehen Sie in eine Erinnerung, in der der Wert erfüllt war, und achten Sie auf Details: Ist das Bild hell oder dunkel? Gibt es eine bestimmte Körperhaltung oder ein körperliches Gefühl (z. B. Pulsieren oder Fließen)?. Diese kinästhetischen Antriebe sind der eigentliche „Motor“ Ihrer Motivation.

Zusammenfassend: Ohne sensorisch definite Kriterien bleibt Wertearbeit wirkungslos, da Sie keine klare Rückmeldung darüber haben, ob Sie Ihr Leben nach Ihren eigenen Maßstäben gestalten. Erst die De-Nominalisierung – das Zurückverwandeln des starren Begriffs in einen lebendigen Prozess – schafft echte Verhaltenssicherheit.

=> Ergebnis: Sie haben für jeden Ihrer 10 Top-Werte klare und sensorisch definite Kriterien - ggf. kontextabhängig formuliert.

Beispiel

Wert "Loyalität:"

  • „Wenn in meiner Gegenwart negativ über eine abwesende Person gesprochen wird, der ich loyal gegenüberstehe, unterbreche ich das Gespräch und nenne mindestens einen positiven Aspekt dieser Person.“
  • „Ich bewahre vertrauliche Informationen (Geheimnisse) für mich und gebe sie nicht an Dritte weiter, auch wenn ich direkt danach gefragt werde.“
Beispiel

Wert "Freundschaft:"

  • „Ich investiere mindestens einmal pro Woche aktiv Zeit (mindestens 30 Minuten), um mich mit meinem Freund/meiner Freundin ohne Ablenkung (z. B. durch das Smartphone) auszutauschen“
  • „Wenn ein Freund/eine Freundin mich um Hilfe bittet, reagiere ich innerhalb von 4 Stunden mit einer konkreten Rückmeldung oder einem Terminvorschlag zur Unterstützung“

3. Die Ordnung: Wertehierarchie und Priorisierung

Da Werte oft konkurrieren, benötigen Sie eine Rangfolge.

Übung: Paarweiser Wertevergleich

Übung: Wertevergleich mit Kreuztabelle

**=> Das Ergebnis:** Nun sollten Sie eine priorisierte Liste Ihrer max. zehn TOP Werte haben. Zu jedem Wert haben Sie zudem eine durchdachte Kriterienliste.

Lernpfad:
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