Grundlagen - Das GROW-Modell
Inhalt
- Grundlagen - Das GROW-Modell#Überblick
- Grundlagen - Das GROW-Modell#1. Warum ist GROW wichtig? Mehrwert und Nutzen
- Grundlagen - Das GROW-Modell#2. Was genau ist das GROW-Modell? Die relevanten Begriffe
- Grundlagen - Das GROW-Modell#3. Wie genau wende ich das GROW-Modell an?
Überblick
Das GROW-Modell ist eines der bekanntesten und meistgenutzten Coaching-Frameworks – ursprünglich entwickelt von Sir John Whitmore in den 1980er Jahren, maßgeblich beeinflusst durch Timothy Gallwey ("The Inner Game")
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Leitfaden: Das GROW-Modell in der Coaching-Praxis
Dieser Leitfaden dient als strukturierte Orientierungshilfe für die Anwendung des GROW-Modells in Coaching-Gesprächen, Mitarbeiterdialogen oder zur Selbstreflexion.
1. Warum ist GROW wichtig? Mehrwert und Nutzen
Das GROW-Modell, entwickelt von Sir John Whitmore, bietet eine systematische Struktur, um Coaching-Gespräche effektiv zu führen und Klienten (Coachees) dabei zu unterstützen, ihre Ziele eigenverantwortlich zu erreichen.
Der konkrete Nutzen:
- Struktur und Klarheit: Es zerlegt komplexe Herausforderungen in handhabbare Phasen und bietet einen roten Faden für den Prozess.
- Förderung von Bewusstsein und Verantwortung: Gemäß den Prinzipien des „Inner Game“ von Timothy Gallwey zielt GROW darauf ab, das Bewusstsein (Awareness) für die Situation zu schärfen und die Eigenverantwortung (Responsibility) für das Handeln zu stärken.
- Lösungsorientierung: Der Fokus wird weg vom Problem und hin zu Potenzialen und Lösungen gelenkt.
- Leistungssteigerung: Es dient als strategischer Treiber für Verhaltensänderungen und messbare Performance-Verbesserungen in Organisationen.
- Flexibilität: Die Phasen müssen nicht starr linear abgearbeitet werden; ein Hin- und Herspringen je nach Bedarf ist möglich.
2. Was genau ist das GROW-Modell? Die relevanten Begriffe
GROW ist ein Akronym, das für vier aufeinanderfolgende Phasen des Coaching-Prozesses steht:
- G – Goal (Zielsetzung): Definition des kurz- und langfristigen Ziels für die Sitzung und das Gesamtanliegen.
- R – Reality (Realitätscheck): Analyse der aktuellen Situation, Fakten, Hindernisse und vorhandenen Ressourcen.
- O – Options (Optionen): Identifikation und Bewertung verschiedener Handlungsstrategien und Möglichkeiten.
- W – Will / Way Forward / Wrap-up (Wille/Umsetzung): Festlegung konkreter Schritte, Zeitrahmen und Sicherstellung des Commitments.
3. Wie genau wende ich das GROW-Modell an?
In jeder Phase setzt der Coach spezifische Fragemethoden und Instrumente ein, um den Coachee zu aktivieren.
Phase G: Goal – Ziele setzen
In dieser Phase geht es darum, ein klares Bild des gewünschten Zustands zu zeichnen.
- Methoden: Anwendung der SMART-Kriterien (Spezifisch, Messbar, Attraktiv/Akzeptiert, Realistisch, Terminiert). Weitere Kriterien können PURE (Positiv formuliert, Unterstrichen durch Verständnis, Relevant, Ethisch) und CLEAR (Herausfordernd, Legal, Umweltfreundlich/Ökologisch, Angemessen, Registriert) sein.
- Beispielfragen:
- „Was möchten Sie in dieser Sitzung erreichen?“
- „Woran würden Sie erkennen, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben?“
- „Wie sieht Erfolg für Sie aus?“
Phase R: Reality – Den Ist-Zustand prüfen
Hier wird die Gegenwart erforscht, um eine solide Basis für Veränderungen zu schaffen.
- Methoden: Skalierungsfragen (0 bis 10), um die aktuelle Zufriedenheit oder den Fortschritt einzuschätzen. Exploration von Ressourcen und Hindernissen.
- Beispielfragen:
- „Was passiert derzeit genau (wer, was, wann, wie oft)?“
- „Auf einer Skala von 1 bis 10: Wo stehen Sie gerade in Bezug auf Ihr Ziel?“
- „Welche Hindernisse stehen Ihnen im Weg?“
- „Was haben Sie bisher unternommen und mit welchem Resultat?“
Phase O: Options – Möglichkeiten sammeln
Ziel ist ein kreatives Brainstorming, um den Horizont zu erweitern.
- Methoden: Kopfstand-Methode (Überlegen, was man tun müsste, um das Ziel garantiert nicht zu erreichen). Hypothetische Fragen („Was wäre, wenn...“).
- Beispielfragen:
- „Welche verschiedenen Wege gibt es, um das Ziel zu erreichen?“
- „Was würden Sie tun, wenn Sie keine Einschränkungen hätten?“
- „Wer könnte Sie bei der Umsetzung unterstützen?“
- „Was sind die Kosten und Nutzen der einzelnen Optionen?“
Phase W: Will – Den Aktionsplan festlegen
Die Abschlussphase sichert die Verbindlichkeit (Commitment) und klärt die nächsten Schritte.
- Methoden: Skalierung des Willens/Commitments (1 bis 10), um die Ernsthaftigkeit der Absicht zu prüfen. Erstellen eines detaillierten Handlungsplans (Action Plan).
- Beispielfragen:
- „Was genau werden Sie jetzt als Erstes tun? Bis wann?“
- „Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie entschlossen sind Sie, diesen Schritt auszuführen?“
- „Welche Unterstützung benötigen Sie noch?“
- „Wie gehen Sie mit möglichen Rückschlägen um?“
Tipp für Coaches: Achten Sie darauf, offene Fragen zu stellen, um den Reflexionsprozess nicht zu steuern, und geben Sie keine Ratschläge vor, bevor der Coachee seine eigenen Optionen voll ausgeschöpft hat.